Fidschi- Paradies zwischen Armut und Klimakatastrophe-Ein Erlebnisbericht

Die Fidschi Inseln gehören zu den exotischsten aller Reiseziele weltweit. Nicht weit vom Äquator entfernt, erstrecken sich bergige und flache kleine Inseln in Mitten des Südpazifik. Mit goldenen Sandstränden und blauem Wasser lässt es sich gut entspannen, vorausgesetzt man ignoriert die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation der Fidschianer*innen.

Mit hohen Erwartungen am Flughafen von Nadi auf der größten Insel Viti Levu angekommen, erlangen wir die Erkenntnis das die südpazifische Regenzeit, die eigentlich im November beginnt und im April aufhört, durch den Klimawandel negativ beeinflusst wird. Mein Taxifahrer, er bringt uns zum Hostel, erzählt uns das noch vor 10 Jahren bis zu 6 Taifune üblich waren pro Jahr-2018 hätte es nicht einen gegeben. Azch der viele Regen im Spätapril sei eine Neuerscheinung. Das es nicht mehr so viele Taifune gibt sei für die Menschen eher ein Vorteil, die Todesfälle durch Unwetter verdeutlichen dies, meint unser Fahrer. Auf dem Weg zum Hotel fahren wir an einem Urlaubsresort vorbei. Es ist mit einer hohen Mauer umzäunt-kein Blick geht hinein. Die Mauer dient jedoch wohl eher dem Zweck, dass Urlauber*innen nicht nach draußen schauen müssen, denn auf der anderen Straßenseite wohnen Nadis Menschen in für Fidschi typischen Holzhütten und alten, brüchigen Steinhäusern. Ich stelle mir erstmals die Frage wie arm Fidschis Menschen eigentlich sind. Reisekataloge schreiben nichts darüber. Unser Taxifahrer nimmt für den 8km Trip 10$ (Fidschi-Dollar). Das sind 5€. Im Hotelzimmer angekommen eher ein schlichtes Bild. Wir hatten uns eine Unterkunft außerhalb der Hotelresorts gesucht. Sie ist vor allem bei Backpackern mit geringem Budget beliebt und nicht weit von einem Strand entfernt. Das Zimmer ist schlicht: Bett, Nachttisch, Dusche, Toilette und eine Klimaanlage. Die braucht es auch bei über 30° und einer Luftfeuchtigkeit von über 90%. Der erste Tag endet-draußen regnet es heftig.

Der zweite Tag beginnt mit einer Enttäuschung. Der 2 Minuten entfernte Strand ist eher grau als gelb, das Wasser keineswegs blau. Nordseestrand mit Palmen könnte man sagen. Wir entscheiden uns in das Stadtzentrum von Nadi zu fahren. Unser Taxifahrer versucht uns einen Trip auf die andere Seite der Insel einzureden, dort soll es sehr schön sein. Wir sind skeptisch und lehnen ab. In Nadi angekommen zeigt sich das Zentrum einer chaotischen Stadt mit vielen heruntergekommenen Häusern und vielen asiatischen Shops und Restaurants. Wir laufen über die Straßen. Alle 2 Minuten werden wir gefragt ob wir ein Taxi benötigen, wo wir herkommen und ob wir diese oder jene Attraktion buchen möchten. Einige folgen uns sogar für einen Straßenzug und reden auf uns ein. Wir sind die einzigen Touristen im Moment. Wir finden einen Markt. Auf dem Boden sind Teppiche ausgebreitet. Kinder und Frauen sitzen auf dem Boden hinter tropischen Früchten. Ein Kind wäscht sich in einem Brunnen. Wir kaufen einen Bund Bananen. Danach fahren wir mit einem Taxi zurück ins Hotel. Wir sind durch die Aufmerksamkeit die uns geschenkt wird überfordert.

Tag drei beginnt mit einer Taxifahrt zum Hafen. Wir fahren heute auf eine kleine Insel die ausschließlich als Tagesausflugsziel für Touristen genutzt wird: South Sea Island. Unser Taxifahrer erklärt uns das wir die Hauptinsel verlassen werden und auf ein extra angelegtes Ressort für Hotels fahren werden um zum Hafen zu gelangen. Wir passieren eine Kontrollstation. Wir sehen gemähte Wiesen, einen Golfplatz und hohe Hoteltürme. Ein Sammelbus sammelt Touristen im Ressort ein um sie zum Hafen zu bringen. Hier gibt es Boutiquen und ein Hard Rock Café. Nach dem Check-In am Hafen gehen wir auf unsere Fähre zu. Ein moderner, strahlend weißer Katamaran. Nach 20 Minuten erreichen wir die kleine Insel im blauen Wasser mit vielen Kokospalmen. Nach einer kurzen Einweisung, die viel mehr wie eine „Fühlt euch wie Zuhause“ Rede erklingt, gibt es nun Mittagessen und einen historisch kulturellen Tanz. Kein Hinweis über Verhaltensregeln mit der Unwelt bspw. einer gefährdeten Schildkrötenart. Man möchte die Urlauber*innen ja nicht einschränken. Einen sehr sonnigen Tag verbringen wir dort bevor es wieder zurück geht.

Nach 2 weiteren ereignisreichen Tagen in einem Schlammbad und im paradiesischen Malamala Beachclub wollen wir den letzten Tag kulturell gestalten. Wir haben eine Hop-on Hop-off Bustour zu den wichtigsten kulturellen Attraktionen der Insel gebucht. Als wir abgeholt werden sind wir überrascht: Ein Mann in einem roten Auto spricht uns an, dass er unser Tour-Guide sei. Während der Fahrt erzählt er uns, dass wir die einzigen heute seien, die die Tour gebucht hätten. Sein Bruder hätte ihn dann gebeten uns in seinem Auto rumzufahren. Zuerst halten wir vor einer Lagerhalle, ein großer Markt ist dort. Wir kaufen eine Wassermelone. Danach fahren wir zum Garten des schlafenden Riesen. In der Kultur der Fidschianer*innen sollen dort die ersten Menschen auf Fidschi angekommen sein. Die Bergkette sieht aus wie ein schlafender Mensch, daher der Name. Der große Garten ist mit exotischen Pflanzen angelegt und bietet auch einen Einblick in den Regenwald. In einem hinduistischen Tempel gibt man uns anschließend eine kurze Einführung in den Hinduismus. Der Tempel ist farbenfroh gestaltet und Treffpunkt der hinduistischen Gemeinde von Nadi. Für 5$ an unseren Fahrer fährt dieser uns in das sogenannte „Village“ Jener Ort an dem der Staat Fidschi gegründet wurde. Wir erhalten eine kurze Einführung in die britische Kolonialzeit und man erzählt uns das die ersten Einwohner*innen Fidschis Kannibalen waren. Wir sehen Kinder mit einem Welpen spielen. Unser Guide erzählt uns das die meisten Familien im Dorf zu fünft in einem Raum leben. Frauen verkaufen uns Souvenirs und erzählen uns, dass das ihre Tätigkeit sei, während ihre Männer arbeiten würden. Der Tag endet mit neu erlangtem Wissen.

Nach 6 Tagen auf den Fidschis lassen sich 2 Dinge feststellen: Die Fidschi-Inseln sind gewiss ein traumhaftes Reiseziel und wir haben als Urlauber*innen nicht wirklich eine Vorahnung über das Leben der Menschen auf den Fidschis. Wenn wir uns ins teure Luxushotel begeben, von Mauern umzäunt, ist es leicht für uns wegzuschauen, Armut auszublenden und Ansprüche zu stellen die weit von der fidschianischen Realität entfernt sind. Die ehemalige britische Kolonie ist seit 1970 unabhängig. Seit dem mag zwar die politische Abhängigkeit überwunden, die wirtschaftliche Abhängigkeit von reichen, übermäßig europäischen und amerikanischen Menschen ist jedoch geblieben. Das Land erholt sich noch immer von 4 Militärdiktaturen durch Putsch in nur 20 Jahren. Infrastruktur und Sozialstaat sind Zeugen der instabilen politischen Lage, auch wenn seit 2014 wieder eine gewählte Regierung und ein gewähltes Parlament tätig sind.

Wer die Fidschis besuchen möchte und genügend Zeit mitbringt sollte soziale Arbeit verrichten und nicht wie wir alle die Fidschis nur als tropischen Badespaß verstehen.

Meine Bilder zeigen das Fidschi der Urlauber*innen.

[Flug von Nadi nach Brisbane 26.4.2019 18:00 Uhr]

Kategorien Allgemein

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