
Josh kennt die Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und Neuseeland bestens. Im Interview erzählte er mir was er aus Deutschland am meisten vermisst und woher die große Gutherzigkeit der Kiwis kommt. Mitten im Zetrum der Macht stehend, erläuterte er mir den Konflikt zwischen Job und eigener politischer Meinung.
I: Du bist 25 Jahre alt und kommst aus Wellington?
J: Ich komme eigentlich aus Dunedin. Ich bin erst seit 4 Monaten in Wellington.
I:Kannst du mir etwas über deine Jugend erzählen. Was waren deine Hobbys? Was dein Bildungsweg?
J:Ich reiste als Kind sehr gerne mit der Familie nach Australien. Die meiste Zeit und Energie habe ich der Schule gewidmet bis ich 17 wurde und für 14 Monate nach Deutschland zog, nach Aachen.Ich habe sehr viel von Europa gesehen, will aber unbedingt nochmal dorthin um den Rest zu sehen. In der Schule war ich jemand der sich immer besonders für Politik und Sprachen interessiert hat. Deswegen bin ich nach Deutschland und arbeite jetzt hier für die Regierung als Berater und Assistent. Mit 15 bin ich Mitglied der New Zealand Labour Party geworden. An der Uni habe ich übrigens Deutsch und Politik studiert.
I:Wie ist denn die Arbeit, so eng mit Berufspolitiker*innen zusammen?
J:Es ist schwierig, denn als Regierungsberater muss man aufpassen nicht die eigenen Interessen oder die der Partei in den Vordergrund zu stellen.
I:Bist du auch in NGO’s aktiv? In Europa gehen Sozialdemokrat*innen traditionell in die Gewerkschaft.
J:Nächstes Jahr will ich Mitglied im Roten Kreuz werden. Ich hab in Dunedin mit Geflüchteten zusammem gearbeitet, was mich sehr beeindruckt hat und was mir auch sehr gut getan hat. Meine Unifacharbeit habe ich z.B. über Geflüchtete in Deutschland geschrieben. Was 2015 war, welche Rolle Merkel eingenommen hat etc.
I:Lass uns ein bisschen über deine Zeit in Deutschland reden. Du bist damals wegen dem Studium nach Aachen gekommen?
J:Eher wegen Freunden. Meine Hochschule in Dunedin hatte viele Austauschschüler*innen und einer meiner besten Freunde kam aus Deutschland. Deswegen bin ich nach der Schule für ein Jahr nach Deutschland geflogen und habe dort nochmsl ein Jahr auf einem Gymnasium verbracht. Ich habe also 14 Jahre Schule hinter mir. Normslerweise hat man nur 13 in Neuseeland.
I:Was sind die deutlichsten Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und dem Leben in Neuseeland?
J:Ich finde den deutschen Lebensalltag besser. Ich finde es gut, dass die Menschen mittags von der Arbeit nach Hause gehen um dort zu Mittag zu essen mit der Familie. Das Abendessen wird in Deutschland nicht so wichtig betrachtet wie in Neuseeland. Ich vermisse das deutsche Brot und Käse. Und Schinkenwurst! Unsere Schinkenwurst ist nicht so gut. Andere Unterschiede…hm…
I:Zum Beispiel ist mir aufgefallen wie unglaublich witzig und herzlich die Menschen hier sind.
J:Ich denke da wir ein sehr kleines Land mit 4,5mio Einwohnern sind ist es vielleicht einfacher freundlich zu sein. Fremde Menschen sind nicht immer fremd. Man kennt einander irgendwie. Ein weiterer Unterschied ist sicherlich da es in Deutschland mehr christliche Traditionen gibt. Z.B. das man in Deutschland sonntags nicht einkaufem kann. Hier kann man täglich einkaufen. Das bedeutet das hier auch Menschen am Wochenende arbeiten müssen.
Ich glaube die Deutschen habe eine bessere Sicht auf die Welt weil die meisten von ihnen schon sehr viel und weit gereist sind. Neuseeländer fliegen meist nur bis Australien. Wahrscheinlich verstehen die Deutschen daher andere Kulturen besser als die Neuseeländer. Hier passiert nichts krasses, wir beschäftigen uns kaum mit der Welt. Manchmal nervt mich, dass wir nicht an der Welt interessiert sind.
I:Vielleicht kommt das aber auch von der geografischen Isolation und der weltpolitischen Bedeutungslosigkeit.
Warum glaubst du kommen so viele Backpacker*innen nach Neuseeland?
J:Ich glaube das Ausländer*innen ein besseres Bild von Neuseeland haben als sie vielleicht haben sollten. Wir sind nicht so gut wie wir sagen. Wir sind eigentlich gar nicht so grün und umweltfreundlich, sondern eher genauso schlecht wie andere Länder. Touristen glauben wir seien ein grünes Paradies. Dennoch haben wir sehr viele schöne unterschiedliche Landschaften. Viele kommen sicherlich auch weil wir so freundlich und hilfsbereit sind.
I:Könntest du dir persönlich vorstellen dein Land zu verlassen um irgendwo ein neues Leben zu starten?
J:Auf jeden Fall! Ich will auf jeden Fall nochmal nach Europa und vielleicht 1-2 Jahre in Deutschland arbeiten und wohnen. Ich würde sehr gerne mit dem Roten Kreuz und Geflüchteten in Deutschland zusammenarbeiten. Ich bin seit 6 Jahren nicht mehr in Deutschland gewesen und habe dort ja quasi Familie und Freunde die ich seither auch nicht mehr gesehen habe.
I:Was ist der schönste Ort in Neuseeland und was der schönste in Wellington?
J:Für mich persönlich ist das Catlins, etwas südlich von Dunedin. Sehr schöne Strände, Wälder und Berge. Ich habe hier bisher noch nicht allzu viel von Wellington gesehen aber ich finde es sehr schön hier vor dem Parlament zu sitzen obwohl es sehr windig ist. Man sieht so viele berühmte Menschen.
I:Die Vorsitzenden der Grünen machen gerade auf der Wiese vor dem Parlament ein Picknick wenn ich mich nicht irre?
J:Ja genau es gibt oft kleine Pick-Nicks von Parlamemtarier*innen. Ansonsten ist es vom Mount Victoria sehr schön auf die Stadt zu sehen bei gutem Wetter.
I:Vielen Dank für das Interview!
Das Interview wurde am 23.01.2019 im neuseeländischen Nationalparlament in Wellington geführt.
